Recht ist nicht immer gerecht? Das stimmt leider häufig. Dieses aktuelle Urteil jedoch macht Mut!

 

Der 12-jährige Benny (Name v. d. Redaktion geändert), Sohn einer alleinerziehenden Mutter, besucht seit zwei Jahren ein Gymnasium (Ganztagsschule). Benny ist Autist und hat ADHS. Seine Entwicklung wurde als erheblich gefährdet eingestuft, mehrere ärztliche und schulische Gutachten bestätigen eindeutig einen umfangreichen Förderbedarf.

Bislang standen Benny zehn Stunden Schulbegleitung pro Woche zu. Eine Aufstockung auf 35 Stunden wurde von der Stadt mit pauschalisierten Gründen mehrfach abgelehnt: Integrationshilfe sei in Kombination mit einem Gymnasium nicht geeignet, es sei nicht zu erwarten, dass Benny das Abitur schafft, man solle lieber über eine andere Schulform nachdenken. Benny selbst sage ja, dass zehn Stunden reichen und außerdem müsse die Schule vorrangig den Förderbedarf abdecken.

 

Fakt ist jedoch, dass Benny bei inzwischen gut eingestellter Medikation überdurchschnittliche Intelligenz aufweist und durchaus fähig ist, gymnasiale Anforderungen zu bewältigen. Seine Verhaltens- und Aufmerksamkeitsstörungen allerdings würden ohne intensive Schulbegleitung einem dauerhaften Erfolg im Wege stehen. Das soziale Miteinander fällt Benny noch schwer, er reagiert mit Affektausbrüchen oder Rückzug. Die Konzentration auf den Unterricht ist für ihn nicht leicht, die Organisation seines Schulalltags inklusive der Pausen ist für ihn schwer zu bewältigen. Die Schule bescheinigt, dass eine engmaschige Begleitung eine Leistungssteigerung und Festigung mit sich bringt, doch die Schule allein kann die Förderung nicht kompensieren. Bennys Chancen entsprechend hat selbst die Bezirksregierung einem Verbleib auf dem Gymnasium zugestimmt.

Lediglich 13 Stunden wurden durch die Stadt zugesagt, doch dieser Bescheid ist bei der Mutter nie angekommen. Dennoch verwies die Stadt auf seine Rechtsgültigkeit, da kein Widerspruch eingelegt wurde. Nach fünf Monaten - und etlichen weiteren Gutachten und Bestätigungen - wurden erneut nur 13 Stunden bewilligt. Bennys Mutter reichte daraufhin Klage gegen den Bescheid ein, um ihrem Sohn den seiner Intelligenz entsprechenden Schulabschluss zu ermöglichen.

Umso erfreulicher ist der aktuelle Richterspruch des Verwaltungsgerichtes Köln. Sowohl die Glaubwürdigkeit des Antragstellers als auch sein Bedarf an vollumfassender Schulbegleitung wurden bestätigt. Kurzum: Die Stadt wird verpflichtet, Benny einen Inklusionshelfer für 35 Stunden pro Woche zu gewähren! Nun hat die Rechtsprechung ein erfolgreiches und Mut machendes Urteil mehr, auf das sich Betroffene - gegen Willkür und Allgemeinplätze seitens der Behörden - beziehen können.

Auch uns als Verein macht dieses Urteil Mut, zeigt es doch, dass es sich lohnt dafür zu kämpfen, dass die Möglichkeiten, die sich durch unsere Gesetze ergeben, auch voll ausgenutzt werden. GLGL wird Eltern bei diesem eminent wichtigen Kampf auch weiterhin zur Seite stehen – sprechen Sie uns gerne jederzeit an!

Das komplette Urteil können Sie hier ansehen.