Auf ungeraden Wegen geht es durchs Gebirge im Bonner Umland. Längst haben wir die Autobahn hinter uns gelassen und fahren mit dem Auto über das Hügelland. Vorbei an Orten mit Namen wie Eulenthal und Kirschbaum. Ziel unserer Reise: das Fischparadies Schlingenthal. 

Kinder mit und ohne Handicap kommen hier zusammen, um ein ganzes Wochenende zu fischen. Regenbogenforellen und die großen Lachsforellen. Von den Lachsforellen schwimmen nur ganz wenige in den Teichen herum. Ob es wohl jemand von uns schaffen wird, eine zu fangen? Das weiß am Samstag früh noch keiner.

 

Felix beim Angeln

 

 

Felix ist Angelprofi. An einem Tag zog er zehn Fische aus dem Wasser. Der 17jährige ist Rollstuhlfahrer und hat einen Jugendfischereischein. Damit kann man angeln, wenn jemand dabei ist, der einen Angelschein hat. Für den müsste Felix eine Prüfung machen, die Fischarten auseinander halten können und wissen, wie man die Angel richtig bedient. Und auch, wie man den Fisch richtig tötet – deswegen kann Felix keinen Angelschein machen, das würde er motorisch und von der Kraft her aus dem Rollstuhl nicht hinbekommen. „Das wäre ja unfair gegenüber dem Fisch“, sagt Felix' Mutter, „wenn er da zehnmal draufhauen würde.“ Theoretisch wäre der Angelschein für Felix kein Problem, aber das Handicap wirkt beim praktischen Teil dann eben doch.

Aber dafür sind ja die anderen da, besonders diejenigen mit Angelschein, die immer wieder zeigen, wie man die Schnur richtig auswirft. Das ist gar nicht so einfach: bei Neulingen verwirrt sich die Schnur schnell oder der Haken landet in den Bäumen. Mit Engelsgeduld helfen die Erfahrenen bei dem einen und anderen Problem. Und wenn es dann so weit ist, der Moment gekommen, dass ein Fisch angebissen hat, fangen manchmal auch die alten Hasen an zu schreien. „Ich hab einen, ich hab einen!“ Dann muss ein Helfer mit einem Kescher kommen und helfen, die Forelle aus dem Wasser zu ziehen. Mit einem kräftigen Schlag auf den Kopf wird der Fisch betäubt und mit einem Messerstich waidgerecht versorgt.

Fisch um Fisch stapelt sich in unserer Kühlbox. Felix hat noch nicht so viele gefangen wie an seinem Rekord-Tag, drei vielleicht – und ich gar keinen. Bis zum Abend fange ich keinen. Ich sage zu Leo, der wohl noch in die Grundschule geht: „Das macht doch nichts, ich habe doch morgen noch Zeit, einen zu fangen.“ Leo entgegnet: „Dein ganzes Leben!“.

Auch am nächsten Tag sind wir wieder früh auf den Beinen, um im Fischparadies Schlingenthal nach Glücks-Fangmomenten zu angeln. Heute sind mehr Kinder gekommen als am Vortag, mit ihren Eltern. Manche wirken noch etwas morgendlich-grimmig, andere, die sonst stets verhaltensauffällig herumzappeln, hängen sich von Anfang an richtig rein und lassen ihren Blick auf dem Wasser schweifen, den Schwimmer immer im Blick, den ganzen Tag. Die Bäume spiegeln sich im See und auch der blaue Himmel wird durch das Wasser verdoppelt.

Mittags gibt es Gulaschsuppe und Forellen vom Grill und die Kinder erzählen von Minecraft, einem Computerspiel, bei dem fast alle mitreden können. Die Eltern erzählen Geschichten aus ihrer Jugend. Die, die vorher noch grimmig wirkten, sind jetzt richtig nett und vielleicht liegt das am schönen Wetter – oder am stillen Wasser, das allen eine tiefe Ruhe verordnet hat.

Am Abend habe ich immer noch keinen Fisch gefangen. Weil die anderen aber so viele haben, dass sie sie gar nicht essen können, bekomme ich sechs. Sechs Forellen und  ausnehmen musste ich sie auch nicht. So profitiere ich, obwohl ohne sichtbares Handicap, von Inklusion. Gemeinsam leben, gemeinsam angeln – ein Erfolgsprojekt, das allen nützt.

Damit wir dieses Projekt auch Kindern aus bedürftigen Familien anbieten können, benötigen wir Ihre Unterstützung. Ein Tag am barrierefreien Angelteich mit Lehrern, Betreuern, den Gebühren für den Angelteich und Verpflegung kostet pro Kind 54 Euro. Helfen Sie mit - und spenden Sie hier. 

Bonner Spendenparlament

 

 

 

 

bisher ermöglicht und gefördert durch das Bonner Spendenparlament und GLGL Bonn e.V.