Gemeinsam Leben - Gemeinsam Lernen Bonn e.V.

20.10.2014

PRESSEMITTEILUNG

 
Verwaltung will alle Förderschulen in Bonn erhalten

Elternverein GLGL: Das ist die Abkehr vom Ziel der Inklusion

 
Der Elternverein GLGL Bonn eV. ist bestürzt über Vorschläge der Bonner Schulverwaltung, die morgen im Schulausschuss des Rates der Stadt Bonn zur Diskussion stehen.

Demnach will die Verwaltung keinen einzigen der Bonner Förderschulstandorte auslaufen lassen, obwohl einige davon längst nicht mehr genug Schüler haben. Statt dessen sollen mit abenteuerlichen Konstruktionen Verbundschulen für Schüler mehrerer Förderschwerpunkte geschaffen werden, die auf unabsehbare Zeit auf mehrere Standorte verteilt werden. Einziges Ziel ist offenbar, in Bonn ein flächendeckendes Netz von Förderschulen zu erhalten – obwohl dafür die Nachfrage nicht reicht. „Das Schulgesetz sieht vor, dass Kinder mit Behinderung in der Regel in allgemeinen Schulen unterrichtet werden sollen“, sagt Ingrid Gerber von Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen Bonn e.V.. „Statt dessen scheint es, dass in Bonn die Kinder mit einem künstlich aufrecht erhaltenen Netz an Förderschulen vor allem von den Regelschulen fern gehalten werden sollen“.

 

Eine solche zementierte Sonderschullandschaft kostet nicht nur die Stadt viel Geld, was die Umsetzung der sog. Mindestgrößenverordnung für Förderschulen u.A. verhindern will, sie untergräbt auch die Ausstattung der inklusiven Schulen mit Sonderpädagogen. Denn Regelschulen und Sonderschulen konkurrieren ums knappe Personal. Und vor allem zu kleine Schulstandorte brauchen überproportional viele Lehrer, um den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten.

Damit nicht genug, die Verwaltung will mit einer weiteren Vorlage für den Schulausschuss die Gesamtschulen verpflichten, statt zwei Kindern mit Behinderung pro Klasse drei pro Klasse aufzunehmen. Unterm Strich soll demnach der Schulausschuss beschließen

-       Förderschulstandorte koste es, was es wolle zu erhalten

-       Inklusive Gesamtschulen zu benachteiligen

-       und damit die anderen Schulformen in Bonn an der Umsetzung von Inklusion nicht angemessen zu beteiligen.


Sollte der Rat der Stadt Bonn der Empfehlung der Verwaltung folgen, dann würde hiermit jetzt schon der Ratsbeschluss von 2010, dass "Bonn inklusiv" werden soll, ad absurdum geführt.

Ihr Ansprechpartner:

Ingrid Gerber 0177 613 95 30

 

Der Schulausschuss tagt in öffentlicher Sitzung am 22.10.2ß14 ab 18 Uhr im Ratssaal im Stadthaus in Bonn, hier die Tagesordnung.

 

Gemeinsam Leben - Gemeinsam Lernen Bonn e.V., Postfach 15 01 25, 53040 Bonn,

0228 / 30 414 030, http://www.gl-bonn.de/

 

update: Der Schulausschuss hat die Beschlussvorlage zur Mindestgrößenverordnung als "1. Lesung" behandelt. Die Beschlussvorlage (Drucksache 1412436 - Beschlussvorlage Förderschulen in Bonn - Umsetzung der Mindestgrößenverordnung) wurde nach reger Diskussion und Abstimmung in den nächsten Schulausschuss verschoben.   Zur Situation des Anmeldeverfahrens an den Gesamtschulen wurde beschlossen, die bereits im Januar vom Rat der Stadt beschlossene Reduzierung der Klassenstärke auf 27 Kinder in Klassen mit Gemeinsamem Lernen beizubehalten und weiterhin an der Zahl von "mindestens 2 Kinder mit Behinderungen pro Klasse", wenn möglich, fest zu halten.   In einem Ergänzungsantrag wurde beschlossen, vor einer Überschreitung der "2 Kinder mit Behinderung pro Klasse", zunächst vorrangig auf die anderen Schulformen Gymnasium und Realschule zu verweisen.   Die Schulaufsicht machte auch deutlich, dass sie künftig den Hauptschulen nicht weiter so überproportional viele Schülerinnen und Schüler mit einem sonderpädagogischem Förderbedarf zuweisen werden - auch wenn dies dazu führe, dass diese dann keine neue Eingangsklasse mehr bilden könnten.   Die Verwaltung, wie auch die Schulaufsicht stellte weiterhin klar, dass die Schulaufsicht notfalls die Möglichkeit habe, die Anzahl der Kinder mit Förderbedarf in Klassen mit Gemeinsamen Lernen an Gesamtschulen auf bis zu vier Kinder pro Klasse an zuheben.