ProblemkindSchulsystem

(dies ist der Name des Autors/der Autorin auf rp online zu der Analyse zu: "Elternvereine verteidigen Recht auf Inklusion")

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Mein Kind ist in einer super ausgestatteten Lage: 2 Lehrer, davon einer Sonderpädagoge, in einer GL-Klasse + on top ein Schulbegleiter für das "geistig behinderte" Kind.

Unser Sohn, der überall -außerschulisch, wohlgemerkt- ein willkommenes und gern gesehenes Kind ist, dem viel zugetraut wird und der sich erstaunlich anpaßt für sein Down Syndrom - ist in der Schule "ein Problem". Man könne die Ursache seines Verhaltens nicht erkennen, er lerne nichts, er könne sich nur 1/2h konzentrieren und wäre ja schnell müde.

Dafür "benötigt" er dann einen 1:1 Schulbegleiter, den er außerschulisch -oh wunder -nie hat! Gleichzeitig trinkt er nichts in der Schule, darf mit einem Comic in die Spielecke, seine Hefte, wenn wir sie denn mal sehen, sehen aus, als ob niemand da wäre, um ihm motivierend und strukturierend zur Seite zu stehen. In ersten Jahr einer jahrgangsübergreifenden Klasse (1.-3.) hat er mehr gelernt, als in der 2.-3. Kl. dieser Schule. Die Lehrer sind relativ jung. Sie wollen nicht mit den Eltern zusammenarbeiten, über (angeblich) problematische Situationen reden, ... Wir fühlten uns zu einer förderbasierten Intelligenztestung genötigt, weil ALLE im System (von Schule über Schulberatung bis zum Schulamt) eher die Schuld bei den Eltern suchen und ihre Diagnosen verteidigen, als mal an das Kind zu denken. Der Test hat übrigens eher die "Diagnose" Förderschwerpunkt Lernen ergeben. Nun fängt kurz vor der 5.Klasse hoffentlich endlich die Förderung an. -

Warum ich das alles schreibe:

Weil ich hier nicht erkennen kann, dass es an Resourcen oder Räumen oder Fachpersonal fehlt. Sondern einfach an Empathie, gesundem Menschenverstand, Maßstäben, Bewußtsein und v.a. an Kooperationsbereitschaft, u.a. mit den Eltern. Aber daran hapert es schon für die Regelkinder - also ist kein Problem der Inklusion behinderter Kinder! Interessanterweise macht diese allerdings transparent, was schon für die Normalbegabten fehlt. Genau wie mein Sohn bei normalen Menschen "normal" ist und bei unempathischen Menschen ihnen dieses mit seinem Verhalten auch spiegelt, weil er einfach wunderbar direkt: nicht kompensiert!

Die Resourcenfixierung bringt uns nicht weiter.

Wenn Eltern diese Resourcenfixierung betreiben würde, wäre die Konsequenz, ihr Kind an die staatliche Obhut abzugeben, was die meisten nicht tun würden. Sie leben einen Anpassungsprozess an ihr Kind und suchen idealerweise nach Möglichkeiten und Kooperationspartnern, die eigene Entlastung und für das Kind von Elternfixierung ferne Freiräume bedeuten. Die Eltern können genauso wenig alles alleine, wie die Lehrer. Die vorhandenen Möglichkeiten suchen innerhalb der derzeitigen Grenzen und dabei weiter politische Verbesserungen verfolgen, finde ich bei weitem konstruktiver als ständig neue Bedingungen zu postulieren, unter denen Inklusion erst möglich sein soll. Inklusion muss gelernt werden; die Sonderpädagogen haben sie in der Regel nicht gelernt.

Ohne Kinder an den Regelschulen wird Inklusion nicht gelernt werden können und auch nicht ohne mutige Eltern, die gemeinsam an den Schulen mehr erreichen können.

 

Quelle: Kommentar von ProblemkindSchulsystem zur Analyse auf rp online "Elternvereine verteidigen Recht auf Inklusion": http://www.rp-online.de/nrw/staedte/hilden/elternvereine-verteidigen-recht-auf-inklusion-aid-1.6588709