8.6.2015

Christa Roebke starb am 29. Mai im Alter von 75 Jahren in einem tragischen Verkehrsunfall. Ihr Wirken als promovierte Publizistin und freiberufliche Bildungsjournalistin war gegen die Brigitte SchumannAussonderung von Menschen mit Behinderungen in allen gesellschaftlichen Lebensbereichen gerichtet. Ihr "Hauptkampfgebiet" war nach eigenen Aussagen jedoch die schulische Integration.

Als Mutter eines Sohns mit Down-Syndrom wurde Roebke zur Mitbegründerin der Elternbewegung, die auf Bundes- und Länderebene in den 80er Jahren für das Gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderungen in Integrationsklassen eintrat. Dafür wurde sie 1992 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

 

Christa Roebke hat vorgelebt, dass es im Gemeinsamen Unterricht nicht nur um das Wohlergehen des eigenen Kindes geht, sondern um eine humane Schule für alle in einer humanen und demokratischen Gesellschaft. Sie hat mit der Elternbewegung "Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen" allen, die angesichts der deutschen Schulverhältnisse manches Mal mutlos werden, gezeigt, wie man gemeinsam Berge versetzt. Auf die gegen den Willen der Bildungspolitik erkämpften und erfolgreichen Schulversuche zum Gemeinsamen Unterricht war sie zu Recht stolz.

Sie hat auch als Mitherausgeberin der Zeitschrift "Gemeinsam leben – Zeitschrift für integrative Erziehung" publizistisch für zivilgesellschaftlichen Druck gesorgt und der Bildungspolitik immer wieder den Spiegel vorgehalten. "Uneinsichtig und heuchlerisch" nannte sie die abfälligen Reaktionen deutscher Bildungspolitiker auf den kritischen UN-Bericht über das deutsche Bildungssystem, den Vernor Munoz in seiner Funktion als UN-Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf Bildung 2007 vor dem Menschenrechtsrat in Genf abgab.

In der jüngsten Ausgabe (2/15) von "Gemeinsam leben" hat Christa Roebke sich ein letztes Mal "Auf ein Wort" gemeldet und die "Stuttgarter Erklärung" der Behindertenbeauftragten zum Anlass genommen, um auf die Defizite bei der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention aufmerksam zu machen. Die "Stuttgarter Erklärung" war für sie ein wichtiges Dokument für die "vertane Zeit". "Sie macht auf einen Blick klar, was die Bundesrepublik tatsächlich von der Beachtung und Verwirklichung der Menschenrechte auch sechs Jahre nach ihrem Beitritt zur BRK hält." Christa Roebke hinterlässt mit ihrer klaren menschenrechtsbasierten Haltung und Überzeugung ein wichtiges Erbe, an dem sich alles, was heute im Namen von Inklusion politisch geschieht, messen lassen muss.

Zur Person

Dr. Brigitte Schumann war 16 Jahre Lehrerin an einem Gymnasium, zehn Jahre Bildungspolitikerin und Mitglied des Landtags von NRW. Der Titel ihrer Dissertation lautete: "Ich schäme mich ja so!" - Die Sonderschule für Lernbehinderte als "Schonraumfalle" (Bad Heilbrunn 2007). Derzeit ist Brigitte Schumann als Bildungsjournalistin tätig.

 

Quelle:

http://bildungsklick.de/a/93822/christa-roebke-kaempferin-fuer-das-gemeinsame-leben-und-lernen/