7.6.2015

Christa Roebke – die „Mutter“ der Integrationsbewegung „Gemeinsam Leben gemeinsam lernen – Eltern gegen Aussonderung“ ist gestorben – genau 40 Jahre nach der von ihr gegründeten bundesweiten Organisation der Eltern von Kindern mit Behinderung, die sich gegen die Aussonderung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderungen in Sonderkindergärten, Sonderschulen, Werkstätten und Wohnheimen für Behinderte wehrten.

 

 

Für ihren Sohn Ulrich begann sie kurz nach dessen Geburt für die Einrichtung sonderpädagogischer Förderung in allgemeinen Kindergärten und Schulen zu kämpfen. Als Journalistin gelang es ihr immer wieder, darauf aufmerksam zu machen, dass Eltern das „Paradiesgärtlein“ Sondereinrichtung nicht wünschten. Sie wollten für ihre Kinder keine Aussonderung und Entfremdung aus den normalen Lebensbezügen. Sie konnten nicht akzeptieren, dass ihre Kinder in den wichtigen Sozialisationseinrichtungen der institutionalisierten Bildung und Erziehung nicht auch die Vielfalt aller Gleichaltrigen kennen lernen sollten, gelang es doch in der Familie und bei Spielkontakten in der Nachbarschaft, die besondere Situation und die besonderen Bedürfnisse der Kinder mit Behinderungen einzubeziehen.

Christa Roebke suchte den Kontakt zu Wissenschaftlern, die die Eltern unterstützten; allen voran: Jakob Muth. Sie nutzte die in den 80er und 90er Jahren zur Verfügung stehenden Möglichkeiten der bundesweiten und internationalen Kontakte, vor allem als Mitherausgeberin der Zeitschrift "Gemeinsam leben - Zeitschrift für integrative Erziehung", (Juventa Verlag) und erhielt 1992 das Bundesverdienstkreuz für ihre "Integrations"-Arbeit.

Die aktuellen Diskussionen nach der Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention verfolgte sie aufmerksam. Sie konnte sich darüber freuen, dass die nachfolgenden Eltern sich in ihren Kämpfen trotz großer Widerstände nicht entmutigen ließen. So formulierte sie 1990:

 

"Zuversichtlich stimmt, dass die Elterngeneration sich von den Vertretern der sozialen Besitzstände, die in der Regel in Personalunion als Beamte das staatliche Erziehungsmonopol in Schwung halten, nicht mehr so leicht über den Tisch ziehen lässt. Sie sind misstrauisch gegen jede Form staatlicher Bevormundung. Diese Mütter und Väter, nach dem Krieg geboren, haben ein gesundes Selbstbewusstsein und mehr Demokratieverständnis als die Generation vor ihnen. Sie sehen, ähnlich wie zum Beispiel die Bürgerrechtler in den USA, in der staatlich verordneten und gesetzlich verankerten Zwangsaussonderung von Kindern mit Behinderungen eine Menschenrechtsverletzung, eine Diskriminierung und Herabsetzung ihrer Elternschaft, eine Entmündigung von Staatsbürgern - mit Parallelen zur Situation in der DDR vor der >>Wende<<". (zitiert aus: http://bidok.uibk.ac.at/library/inkl-01-06-huewe-elternbewegung.html)

Vielen Eltern von Kindern mit Behinderung hat Christa Roebke Mut gemacht. Alle, die ihr persönlich begegnet sind, werden sich an ihre fröhliche Zugewandtheit erinnern und sie in guter Erinnerung behalten.

 

Prof. Dr. Jutta Schöler
Seit 2006 im Ruhestand, zuvor:
Fachbereich Erziehungswissenschaften TU Berlin