"Sehr geehrter Herr Armin Laschet, sehr geehrter Herr Christian Lindner,

Sie bewerben sich als Spitzenkandidaten Ihrer Parteien um das Amt des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalens. Für Ihre Wahlkampf-Angriffe auf die amtierende Landesregierung haben Sie sich insbesondere das Thema Inklusion ausgesucht. Auf Ihrer Suche nach besonders schlagkräftigen Argumenten zeichnen Sie dabei geradezu katastrophische Bilder, benutzen bedrohliche Metaphern und ziehen Argumentationslinien, die unsere Kinder mit Behinderung als Störer von Schulfrieden und Bildung denunzieren. Als Eltern von Kindern mit Behinderung möchten wir Sie mit diesem Brief darauf aufmerksam machen, dass Sie mit ihrer parteipolitisch motivierten Rhetorik massiven Schaden anrichten. "

 

Unsere Stellungnahme dazu:


Der zuletzt veröffentlichte offene Brief der Elternvereine für inklusive Bildung in NRW an Armin Laschet und Christian Lindner veranlasst die Landesschüler*innenvertretung NRW zu folgender Stellungnahme:

Die LSV NRW unterstützt die Anliegen der Elternvereine für inklusive Bildung und befürwortet die Inklusion an NRWs Schulen ausdrücklich. Dabei ist es auch der Interessenvertretung der Schüler*innen ein besonderes Anliegen, dass Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf nicht als den Schulalltag störend bezeichnet werden. Eine solidarische Gesellschaft, in der Akzeptanz, Toleranz und gegenseitiger Respekt herrscht, wird so aktiv verhindert. Das verurteilt die LSV NRW und schließt sich daher den Elternvereinen in ihren Forderungen an.
Den Erhalt der Förderschulen befürworten wir nicht. Sobald der Bedarf direkt Betroffener nach Förderschulen nicht mehr existiert, sollen diese abgeschafft werden. Die LSV NRW fordert eine vorurteilsfreie Gesellschaft ohne Diskriminierung und Ausgrenzung und möchte diese mitgestalten.
Politiker*innen wie Armin Laschet und Christian Lindner sollten wissen, was mit der unterschwelligen Hetze gegen behinderte Kinder und Jugendliche erreicht wird: Nämlich eine weiterführende Spaltung der Gesellschaft, schon in jungem Alter.
Die Politiker*innen sehen wir Verantwortung, ihren Wahlkampfstil zu überdenken - Wahlkampf zu Lasten von behinderten Kindern und Jugendlichen ist geschmacklos.

Die LSV NRW bekennt sich zur Inklusion, erwartet jedoch gleichzeitig die ergänzende Bereitstellung von weitaus mehr finanziellen Mitteln, beispielsweise für sonderpädagogisches Personal. Die Inklusion muss weiter vorangetrieben werden. Probleme dürfen nicht auf dem Rücken der Schüler*innen ausgetragen werden.

Eine inklusive Ganztagsgesamtschule ist das, was gebraucht wird. Eine durchdachte, mit Eltern, Schüler*innen, Lehrer*innen und Politiker*innen gemeinsam entwickelte Planung kann die Inklusion nachhaltig stärken und führt langfristig zu einer harmonischen Gesellschaft, in der Vorurteile beseitigt werden können. Dazu gehört eine Schule für alle, in der die Teilnehmenden von heterogenen Lerngruppen Individualität zu schätzen lernen und voneinander profitieren können.

Quelle

3. Februar 2017

Raul Krauthausen, Aktivist & Autor, der sich mit den www.sozialhelden.de für behinderte Menschen einsetzt, sowie als Moderator von www.krauthausen.tv. arbeitet,

teilt auf Facebook am 3. Februar um 18:59 · unseren Offenen Brief an Herrn Laschet und Herrn Lindner

Raul Krauthausen zornig.

und kommentiert:

Die falschen Freunde der #Inklusion sind in #NRW aktuell Christian Lindner (FDP) und Armin Laschet (CDU)!

Beide faseln was von "#Bestandsschutz für #Sonderschulen" und dass man die #Regelschulen ja auch nicht überfordern dürfe, weswegen man daher die "Inklusion aussetzen" müsse.

Das Gute: Jetzt kommst du!
Merk dir diese Namen/Parteien und "berücksichtige" sie dann bei der nächsten Landtagswahl NRW Nordrhein-Westfalen 2017 #ltwnrw mit KEINER Stimme!

Mehr zum Thema Inklusion gibt es auf:
www.inklusionfakten.de oder
Inklusionsfakten

Und hier der link zum kompletten Facebook-Eintrag, der 1. überaus interessant und vielfältig kommentiert wurde - und 2. bis heute 130 mal bisher geteilt!




Werter Herr Laschet, werter Herr Lindner,

als Förderschullehrerin in Niedersachsen und mit ganzem Herzen Lehrerin für alle Schülerinnen und Schüler, die mir anvertraut sind, stehe ich aufgrund meiner pädagogischen, fachdidaktischen und methodischen Kenntnisse aus Studium und Beruf sowie aufgrund meiner bald dreißigjährigen Erfahrung als Lehrerin in Regel- und Förderschule, in reinen Förderschulklassen als auch im gemeinsamen Unterricht voll und ganz hinter dem Ziel, Schulen in Deutschland zu inklusiven Schulen zu entwickeln.

Ich habe mich fachlich seit über 10 Jahren damit auseinandergesetzt,




ProblemkindSchulsystem

(dies ist der Name des Autors/der Autorin auf rp online zu der Analyse zu: "Elternvereine verteidigen Recht auf Inklusion")

2

Mein Kind ist in einer super ausgestatteten Lage: 2 Lehrer, davon einer Sonderpädagoge, in einer GL-Klasse + on top ein Schulbegleiter für das "geistig behinderte" Kind.

Unser Sohn, der überall -außerschulisch, wohlgemerkt- ein willkommenes und gern gesehenes Kind ist, dem viel zugetraut wird und der sich erstaunlich anpaßt für sein Down Syndrom - ist in der Schule "ein Problem". Man könne die Ursache seines Verhaltens nicht erkennen, er lerne nichts, er könne sich nur 1/2h konzentrieren und wäre ja schnell müde.




Ein Brief von Roman Haenßgen (20) aus Hürth:

 

Sehr geehrter Herr Laschet, sehr geehrter Herr Lindner,

mit großem Entsetzen habe ich in letzter Zeit ihre Forderung nach einem Stopp der Inklusion zur Kenntnis genommen.

Leider kann ich Ihre Ansicht nur auf grobe Unkenntnis zurückführen. Als Betroffener weiß ich wovon ich hier schreibe. Haben Sie schon einmal eine Förderschule von innen gesehen? Ich Gott sei dank nur einmal und wollte dringend wieder weg! Ich hatte das Glück einen sehr engagierten Grundschulleiter zu bekommen, der sich meiner annahm und entgegen der Schulärztin der Auffassung war, dass ich sehr wohl in der Regelschule mit den anderen „normalen“ Kindern lernen könnte. Zum damaligen Zeitpunkt war diese Schule noch nicht einmal integrativ, geschweige denn inklusiv.