Gibt es genügend Plätze an weiterführenden Schulen, wenn ich ein Kind mit Förderbedarf habe?

Wie kann ich mit meinem Kind den Weg von einer Förderschule in eine normale Schule schaffen?

Kann ich meine erfolgreiche Schulbegleitung an der weiterführenden Schule fortsetzen?

Solche und ähnliche Fragen standen im Mittelpunkt des Infoabends für zahlreiche Eltern von Kindern mit Behinderungen, zu dem die Stadt Bonn Anfang Oktober in den Ratssaal des Bonner Stadthauses eingeladen hatte. Dazu auf dem Podium die Schulaufsicht für die Stadt Bonn, vertreten durch Herrn Paul, aus der Schulverwaltung Frau Schwennesen, sowie Vertreter der verschiedenen Schulformen Gymnasium, Realschule, Hauptschule, Gesamtschule. Moderiert wurde der Abend von Frau Sonnenberger vom Inklusionsbüro der Stadt Bonn und Ansprechpartnerin für Eltern von Kindern mit Unterstützungsbedarf.

Andreas Paul vom Schulamt der Stadt Bonn erläuterte zunächst das Anmeldeverfahren - die Frage ob es genügend Plätze gibt, konnte er positiv beantworten:

Als Schulen für Gemeinsames Lernen sind für das Jahr 2017 /18 vier Hauptschulen, sechs Realschulen, drei Gymnasien, fünf Gesamtschulen und insgesamt 29 Grundschulen am Start.

Grundsätzlich haben die Eltern für ihr Kind das Wahlrecht und damit den Anspruch auf inklusive Bildung / Gemeinsames Lernen. Herr Paul betonte: Der Vorschlag der Schulaufsicht, der den Eltern in einem Brief mitgeteilt wird, ist nicht bindend. Allein die Wohnortnähe zur Schule generiert ein sog. Vorrangrecht auf einen Schulplatz.

Die Anzahl der Plätze an den bei Eltern von Kindern mit Förderbedarf nach wie vor überaus beliebten Gesamtschulen ist nicht ausreichend für alle, die hier sich für ihr Kind einen Platz wünschen. Daher sollten Eltern auch über beispielsweise eine Realschule oder Hauptschule nachdenken, die vielleicht noch Plätze im Gemeinsamen Lernen hat - dafür warb der Vertreter der Realschulen, Herr Finke von der Freiherr-vom-Stein-Realschule.

Die drei Gymnasien werden wieder zu G9, also dem Abitur nach neun Jahren zurückkehren, dies war eine brandaktuelle und auch eine wichtige Information für einige der anwesenden Eltern. Dort gibt es im Gemeinsamen Lernen 28 statt 30 Schülerinnen und Schüler pro Klasse, und so hat z.B. das Helmholtz-Gymnasium eine Sonderpädagogin zur Unterstützung, erläuterte die Direktorin Frau von Hoerschelmann.

Die Schulleiterin der Marie-Kahle-Gesamtschule, Frau Kreutzer, ermutigte die Eltern, die Schulen zu besuchen und in die Gespräche mit Schulleitung und Sonderpädagogen zu gehen.

Die Sorgen der Eltern in der Fragerunde drehten sich, wie jedes Jahr, um genügend Plätze an der gewünschten Schule und sehr viel häufiger als in den vergangenen Jahren darum, ob und wie ein Kind mit Förderbedarf von einer Förderschule in die Regelschule kommen kann.

Vom Verein Gemeinsam Leben - Gemeinsam Lernen mahnte Ingrid Gerber, dass es insgesamt zu wenige Plätze im Gemeinsamen Lernen, besonders an Gesamtschulen gebe, und dass es eigentlich eine weitere, sechste Gesamtschule in Bonn bräuchte. Dafür müsste aber im Zweifel auch eines der Gymnasien schließen - und hierfür wären dann politische Beschlüsse nötig. Sie ermutigte die Eltern, das Angebot von Hospitationen an verschiedenen Schulen wahrzunehmen und forderte: "Die ausgesuchte Schule muß die "angemessene Vorkehrungen" für ihr Kind schaffen - und der Schulträger eine passgenaue Schule anbieten". Sie verwies auch noch einmal auf den  Fragenkatalog, den GLGL den Eltern von Kindern mit Förderbedarf für die Beratungsgespräche an den Schulen hier auf der Homepage zur Verfügung stellt.

Hier die Präsentation mit den Eckdaten zum diesjährigen Anmeldeverfahren, die Herr Paul von der unteren Schulaufsicht uns freundlicher Weise zur Verfügung gestellt hat.

Wir danken der Stadt Bonn und der Schulaufsicht für dieses nicht selbstverständliche Informationsangebot für Bonner Eltern von Kindern mit Förderbedarf, das sie mit großem Erfolg nunmehr zum vierten Mal seit Inkrafttreten den UN BRK durchgeführt hat!

Eine gute Bonner Tradition also!