18.10.2016

Nenads Geschichte mutet unglaublich an: 11 Jahre lernt der Junge auf Schulen für geistig Behinderte - obwohl er durchschnittlich begabt ist. Jahrelang bittet er seine Lehrer immer wieder, auf eine normale Schule wechseln zu dürfen. Vergeblich. Erst kurz vor seinem 18. Geburtstag gelingt es mit Hilfe von Externen, auf eine Schule zu wechseln, auf der ein Schulabschluss möglich ist. Jetzt verklagt Nenad das Land NRW.

Der WDR hat Nenads Geschichte am 20.10. in der Reihe "Menschen hautnah" um 22.40 - 23.25 Uhr gezeigt:  Für dumm erklärt. Nenads zweite Chance

Aber wie kann das passieren, dass ein völlig normal begabtes Kind auf eine Schule für geistig Behinderte zugewiesen wird - und dann dort 11 Jahre lang bleibt? Hat keiner der hoch qualifizierten Sonderpädagogen gemerkt, dass der Junge an dieser Schule falsch war? Hat niemand in all den Jahren die Diagnose "geistig behindert" noch einmal überprüft? 

Ein besonders dramatischer Fall, aber kein Einzelfall - das sagen die NRW-Elternvereine für inklusive Bildung. Sie werfen dem Sonderschulsystem vor, bei der Rückführung der SchülerInnen in allgemeine Schulen zu versagen:

 

Erklärung der Elternvereine zum WDR-Film „Für dumm erklärt“, 20.10.2016

Wir Elternvereine in Nordrhein-Westfalen danken dem Westdeutschen Rundfunk, dass er mit dem Film „Für dumm erklärt“ das Schicksal all jener Kinder und Jugendlichen thematisiert, die aufgrund zweifelhafter Diagnosen mit dem Etikett „behindert“ versehen und in Sonderschulen beschult werden. Hier weiterlesen ...

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Anm. von mittendrin e.V. auf Facebook vom 18.10.2016: "Eigentlich sind wir hier ja auf der konstruktiven Seite der Medaille unterwegs - aber manchmal muss man auch die Skandale öffentlich machen: Der Roma-Junge Nenad war 11 Jahre auf einer Sonderschule für Kinder mit geistiger Behinderung - ohne behindert zu sein. Dann kam er in unsere Beratung und wechselte mit unserer Unterstützung ans Berufskolleg. Mittlerweile bereitet er sich auf den Realschulabschluss vor, als einer der Klassenbesten. Der WDR zeigt die Geschichte am Donnerstag um 22:40."

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20.10.2016: Der Kölner Stadtanzeiger hat einen umfassenden Artikel veröffentlicht:

"Nenad aus Köln Wie ein gesunder Junge auf einer Schule für Behinderte landete" – Quelle: http://www.ksta.de/24941620 ©2016

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20.10.2016: Auch RP online aus Hilden hat bereits veröffentlicht: Jahrelang in falscher Schule: Elternverein schickt Protestbrief

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21.10.2106: der VDS, Verband Sonderpädagogik meldet sich mit einer Pressemitteilung zum WDR Film. Wir sind erstaunt, wie konstruktiv hiermit umgegangen wird und freuen uns über die Problembenennung. Hieraus kann - beim Willen und Bemühen aller Beteiligten - etwas Gutes erwachsen!

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Der Gründer der Sozialhelden und Aktivist Raul Krauthausen hat den Filmbeitrag auf Facebook geteilt und gemeint: "Unfassbar! Kennt ihr ähnliche Fälle?" Und innerhalb weniger Stunden sind dutzende von vergleichbaren Geschichten online zu lesen. Alles Andere als ein Einzelfall!

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Wir von GLGL wurden angesprochen, warum wir uns - trotz unserer Fachlichkeit auf dem Gebiet - einer doch eher rückwärts gewandten Sprache bedienen (Sonderschule statt Förderschule), um den “Fall Nenad und Marcel”  darzustellen. Hierzu möchten wir folgendes erläutern.

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24.10.2016: Auch der Bundeselternrat hat sich zu Wort gemeldet mit einer dezidierten Presseerklärung, lesen Sie hier.

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29.10.216 Deutschlandfunk hat in der Reihe Campus und Karriere eine Sendung gemacht zum, Thema Förderschule - Warum der Wechsel zur Regelschule so schwierig ist. Hier zum Nachhören

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4.11.2016 Auf Bildungsklick wurde von Dr. Brigitte Schumann der Kommentar zum WDR-Film – „Für dumm erklärt – Nenads zweite Chance“ veröffentlicht:

Sonderschule - Sonderpädagogische Diagnostik: fragwürdig, beschädigend, verzichtbar

Der Filmbeitrag des WDR „ Für dumm erklärt – Nenads zweite Chance“ beleuchtet die fatalen Folgen sonderpädagogischer Fehldiagnosen. Handelt es sich lediglich um einen schockierenden Einzelfall? Oder muss das gesamte System der als unverzichtbar geltenden sonderpädagogischen Diagnostik auf den Prüfstand?

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3.11.2016 Einen weiteren Kommentar aus Berlin von Magda von Garrel, Sonderpädagogin (Fachbereiche: Sprachbehinderungen und Verhaltensstörungen) sowie Diplom-Politologin und Integrationslehrerin an Grund-, Haupt-, Sonder- und Berufsschulen zum Film finden Sie hier.

Jedes Wort hiervon spricht uns aus der Seele!

 

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12.12.2016 Der Elternverband Gemeinsam leben, Gemeinsam Lernen NRW fordert beim Verbändegespräch im Schulministerium, dass sämtliche Sonderschulen in NRW überprüft werden. Eine "Soko Sonderschule" soll sicherstellen, dass nicht weiter Kindern und Jugendlichen aufgrund falscher Diagnosen der Besuch einer allgemeinen Schule verweigert wird. Es muss endlich Schluss sein mit der Gesetzmäßgkeit: Einmal Sonderschule, immer Sonderschule. Hier die Pressemitteilung des Inklusionsfachverbands.

 

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Im Rahmen der Sendung Campus & Karriere wurde am 13.12.2016 im Deutschlandradio ein Beitrag über unsere Pressemitteilung mit Blick auf das Verbändegespräch gesendet, im Studio war Ingrid Gerber vom Landesvorstand GLGL NRW und am Telefon Frau Dr. Ehlers vom Verband Sonderpädagogik (vds) e.V. i hören Sie hier hinein.

 

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20.12.2016 Nenads gibt es überall, auch in Bonn. Sie heißen nur etwas anders, ihre Vita liest sich etwas anders, gleich ist allen eine Fehleinschätzung, die viel zu selten revidiert wird. Danke an den General Anzeiger für den klasse Artikel!

 

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Falls Sie nun finden, Nenad hat Recht und soll auch Recht bekommen, dann bieten wir hier die Möglichkeit, dies aktiv zu tun! #11jahresonderschule

Helft bitte Nenad gegen das Land NRW zu klagen. Spendet für die Gerichtskosten.