PRESSEMITTEILUNG

11.06.2016

Was eine lokale Elterninitiative bewirken kann, wenn sie etwas „Verrücktes“ fordert, nämlich das Gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderungen, zeigte sich beim Begegnungsfest anlässlich des 35. Geburtstages von Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen Bonn. Der kleine Verein konnte über die Jahre einiges „ver-rücken“  und ist mittlerweile ein anerkannter Fachverband, der bundesweit für seine Expertise zum Thema Inklusion bekannt ist.

Die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin und Schulministerin Sylvia Löhrmann und der Bonner Oberbürgermeister Ashok-Alexander Sridharan gratulierten persönlich beim Jubiläumsfest in der Integrierten Gesamtschule Bonn-Beuel.

„Wir brauchen Vereine wie Ihren als Leuchtturm, Vorbild und kritische Freunde für die Schaffung eines gerechteren, nicht auf Separierung ausgerichteten Bildungssystems“, lobte Sylvia Löhrmann das ungebrochene Engagement der Bonner. Sie führte aus, daß  inzwischen nach einem längeren Entwicklungsprozeß auch die Politik der allgemeinen Schule Vorrang vor der Förderschule einräumt – dieser Grundsatz war einstimmig in den parlamentarischen Beratungen zum 9. Schulrechtsänderungsgesetz in NRW.

Als eine der ersten in Deutschland gelang es 1981 den Eltern gegen viel Widerstand auf verschiedenen Ebenen, zuerst die Bodelschwinghschule in Bonn-Friesdorf und später dann die IGS Bonn-Beuel dazu zu bewegen, Kinder mit Behinderungen in einer Regelklasse statt einer Sonderschule aufzunehmen. Weitere Initiativen bildeten sich in Bonn und anderen Städten, und inzwischen ist Inklusion in Deutschland auf dem Weg zur schulischen Normalität und auch international als Rechtsanspruch anerkannt.

Die Arbeit des Vereins hat sich über die Jahre erweitert und professionalisiert, er bietet neben Beratung und Begleitung für Eltern in Bonn und der Region auch umfassende Schulbegleitung und Freizeitprojekte an.

„Der Verein spielt eine Doppelrolle, einmal sind es die Elternvertreterinnen und Vertreter, die ihre Interessen mit einbringen, was ganz wichtig ist, aus Sicht des städtischen Schulträgers,“ meinte Ashok Sridharan zur aktuellen Situation. „Auf der anderen Seite ist der Verein auch Träger von Schulbegleitung, d.h. Partner der Stadt. Diese konstruktive Zusammenarbeit, für die ich herzlich danke, möchten wir weiter ausbauen und intensivieren.“

Dies entsprach auch den Wünschen an die Politik von Ingrid Gerber, Projektleiterin Inklusion des Vereins, die sie ergänzte: „Wir wünschen uns ausreichende Ressourcen und Qualitätsstandards, damit auch bei Inklusion drin ist, wo Inklusion drauf steht. Als „Verrückte“ wollen wir in Bonn gerne weiter vorrücken, die anderen kommen nach!“

Hier finden Sie die ersten Fotos von unserer Veranstaltung - copyright matzke-foto.de.