19.2.16

Die Verwaltung hatte im Herbst vergangenen Jahres einen ersten Vorstoß gemacht mit einem Konzept zum Thema Schulbegleitung in Bonn, wir berichteten. Der im Sinne der UN-Konvention überaus berechtigen Kritik folgend hatten sie in Folge nun die drei mit Schulbegleitung befassten Interessengruppen (Schulen, Eltern und Träger jeweils separat) innerhalb von zwei Wochen in einem Beteiligungsverfahren angehört. Wir (GLGL Bonn e.V.) hatten das Glück, sowohl in der Rolle als Eltern, als auch als Träger von Schulbegleitung an zwei der drei Treffen teilnehmen zu können.


Die Treffen waren richtig gut organisiert, Inklusionsbüro und OGS-Büro hatten hier als professionelle Vorgehensweise die Form des World Café's gewählt, die sicher stellt, dass jede Meinung und jeder Hinweis festgehalten wird. Überrascht war die Verwaltung von der lebhaften Diskussion, die nach dem kurzen input von Frau Lukas entbrannte, und die noch deutlich mehr Zeit hätte dauern können, um erschöpfend alle Fragen klären zu können. Spannend war auch, auf welche Fragen es noch gar keine Antwort gab (Zeitschiene, wie der Input dann gewichtet und bewertet wird, wer dies wann tut, und was daraus folgt, wie überhaupt ein Pool aussehen soll, aus Sicht der Verwaltung und was er leisten soll, wie Qualität von Schulbegleitung zu definieren ist, u.s.w.).

Insgesamt hat der zeitliche Rahmen von zwei Stunden zwar für einen ersten Einstieg und ein Stimmungsbild gereicht, eine wirklich qualitative Weiterentwicklung innerhalb der jeweiligen Gruppe konnte hingegen nicht geleistet werden. Auch blieben bei dieser separaten Anhörung der einzelnen Vertretergruppen die Synergie-Effekte ungenutzt, die es hätte geben können, wenn Schulleiter von Eltern direkt hören, was diese sich für ihre Kinder wünschen - und umgekehrt - und Träger den Schulen und/oder Eltern hätten sagen können, was für die zur Verfügung stehenden Löhne und Gehälter geht, und was nicht... Wir hoffen jedenfalls, dass es hierzu weitere Treffen geben wird, die diese Chancen dann gewinnbringend für Alle nutzen!

Sehr schön auch, dass je ein Vertreter von Jugendamt, Schulamt, Sozialamt, OGS-Büro und Inklusionsbüro mit dabei war. Bedauerlicherweise fehlte ein Vertreter des Gesundheitsamtes - und dies besonders, weil im Konzept der Verwaltung sogar neue Stellen beim Gesundheitsamt geschaffen werden sollen.Wie sich auch an verschiedenen anderen Stellen zeigt, sind personelle Engpässe in der Bonner Verwaltung in mehreren Ämtern aktuell eine echte Schwierigkeit. Bislang braucht es immer eine Ausnahmegenehmigung von der neunmonatigen Wiederbesetzungssperre von Seiten des Rates der Stadt Bonn.

Interessanter Weise stellte sich ein (Kritik-)Punkt, der seit der Veröffentlichung des ersten Konzepts der Verwaltung für viel Aufregung gesorgt hatte, in der Zwischenzeit beim Trägertreffen nun anders dar: Aufgrund einer neuen EU-Richtlinie, die zum 18.4. in Kraft treten wird, muss die Stadt Bonn die Leistungen der Träger nun künftig doch nicht ausschreiben. Dies war im ursprünglichen Konzept bislang für jeden Schulbezugsraum so vorgesehen. Hierbei handelt es sich um einen Punkt, den die Wohlfahrtsverbände, sowie ein Teil der Träger von Schulbegleitung durchaus kritisch und juristisch nicht haltbar gesehen hatten. Der Individualanspruch des Kindes, dessen Eltern den Antrag auf Schulbegleitung stellen, müsste zugunsten eines Pools an die Allgemeinheit abgetreten werden. Dieser Punkt sowie auch der Umgang mit dem persönlichen Budget ist bislang noch nicht zu unserer Zufriedenheit geklärt.

Treffen der Eltern
Überraschendes und Wohltuendes gab es für uns beim Treffen der Eltern: wir von GLGL kannten bereits einen großen Teil der Eltern! Für die rege Beteiligung danken wir euch allen und Ihnen an dieser Stelle ganz herzlich, die es haben einrichten können, dabei zu sein und sich so aktiv und fachlich kompetent haben einbringen können..! Auch von Seiten der Verwaltung hörten wir, dass sie den input der Eltern als wichtig, kompetent und konstruktiv erlebt haben.

Treffen der Träger von Schulbegleitung
Alle in Bonn ansässigen Träger von Schulbegleitung saßen zum ersten Mal in der Geschichte von Schulbegleitung in Bonn zusammen! Allein das war schon ein Gewinn für eine Weiterentwicklung des Themenkomplexes. Denn jetzt haben die Schulbegleitung für Kinder mit Behinderungen an Regel- und Förderschulen stellenden Träger vom jeweils Anderen ein Gesicht und/oder einen Namen. Wir wissen jetzt umeinander und können Kontakt aufnehmen, wenn wir mit mehreren Trägern Schulbegleiter an einer Schule oder in einer Klasse stellen und Absprachen notwendig werden. Dies ist also die Neuerung im Bereich Schulbegleitung - ebenso wie die Ämterübergreifende Arbeitsgruppe, die sich aus Sozial-, Jugend- und Schulamt sowie Gesundheitsamt Dank und seit In-Kraft-Treten der UN-Behindertenrechtskonvention regelmässig trifft.

Wir sind gespannt, wie sich die Verwaltungsspitze nun zu den Ergebnissen der drei Treffen verhält und wie Politik nunmehr dann die Weichen stellen wird.

Wir vom Eltern- und Inklusionsfachverband GLGL sind froh über die aktuellen Entwicklungen und sind gespannt auf den Prozess der qualitativen Weiterentwicklung von Schulbegleitung in Bonn auf Augenhöhe. Wir werden auch weiterhin berichten.