30.9.2015

Drei Bonner Gymnasien machen sich auf den Weg!

Gestern titelte der General Anzeiger Bonn: Aufsicht bestimmt drei Inklusions-Gymnasien

Wir freuen uns sehr über diese gute Nachricht!

Die Ermutigung zu inklusiver Bildung, explizit auch für zieldifferent zu unterrichtende Kinder, auch im Gymnasium in Bonn, hat lange auf sich warten lassen - und ist nun ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Herzlichen Dank und herzlichen Glückwunsch zu dieser Entscheidung!

 

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27.9.2015

Jedoch: Die Debatte um Gymnasien und Inklusion hatte in Bonn bereits einen längeren Vorlauf: Im Schulausschuss vom Mai 2015 hatte die Politik die Verwaltung beauftragt, Fragen zu formulieren, die die Gymnasien beantworten sollten. Der kommende Schulausschuss bringt die Antworten einiger Gymnasien auf die Fragen. Wenn Sie beim Lesen Ideen dazu haben, freuen wir uns über Ihre Zuschriften!

Hier sehen Sie die Tagesordnung für den nächsten Schulausschuss am 25.11.15

 

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Kommentar zum Artikel „Linke und SPD scheitern mit Antrag: Inklusions-Debatte um Gymnasien“ über den Schulausschuss vom 6.5.2015

Wissen Sie noch, wie das war, als ihre Eltern Sie für Ihren ersten Schwimmkurs angemeldet haben? Als Sie dann das erste Mal den Chlorgeruch in der Nase hatten und mit all den anderen Schwimmanfängern am Beckenrand standen und die Trockenübungen machten? Und dann, als es ins Wasser ging, die meisten dann zügig eintauchten und im Nichtschwimmerbecken die ersten Übungen machten? Es gab zumeist ein oder zwei Kinder, die noch vom Beckenrand sich das Ganze ansahen, die noch Angst hatten vorm Wasser. Vielleicht gingen sie sogar in der ersten und zweiten Stunde noch nicht ins Wasser. Da saßen dann meist die Eltern daneben und redeten mit Engelszungen ihnen die Angst aus. Und die Kinder blieben steif und fest sitzen, ließen sich nicht bewegen. So in etwa war das im Schulausschuss diese Woche wieder einmal. „Bonn inklusiv“ hieß der Bonner Beschluss 2010, und in dem Zusammenhang hatten bereits vor drei Jahren alle Bonner Gymnasien sich für den „Schwimmkurs Inklusion“ angemeldet,

heisst, ihre Bereitschaft bekundet, Kinder mit Behinderungen aufzunehmen. Jetzt forderte die Linksfraktion in ihrem Antrag auf Verpflichtung von drei Gymnasien, genau diese Umsetzung ein – und wurde von der Koalition glatt abgebügelt. Was für ein Armutszeugnis! Es traut sich niemand hier in Bonn, ein Gymnasium zur Inklusion wirklich aktiv zu bewegen? Das kann doch nicht wahr sein! Wie lange wollen die Gymnasien das Recht auf inklusive Bildung noch aussitzen? Abgesehen von den zwei oder drei wenigen, die bereits Kinder in Einzelintegration beschulen, wollen bislang alle weiteren lieber einfach so tun als gäbe es unsere Kinder nicht?

Als besonderer Hohn erscheint es in diesem Zusammenhang, dass die Schulaufsicht sogar die Gesamtschulen mit noch mehr und noch mehr Kindern mit Behinderungen bedenken will, auch die Zahl 18 Kinder für eine sechszügige Gesamtschule soll ganz offenbar noch immer nicht das Ende der Fahnenstange sein. All dieses Bemühen, nur um die Gymnasien weiterhin außen vor lassen zu können? Und dass dabei die jetzt schon über ihre Grenzen gehenden Gesamtschulen mit Qualität dann kaum mehr aufwarten können. Die bisher gelebten und gut funktionierenden Zusammensetzungen der Klassen können dann so nicht mehr dargestellt werden, das wurde im sog. „Brandbrief“ der Schulpflegschaften der Bonner Gesamtschulen sehr deutlich dargestellt.

Angekündigt wurde bereits, dass die Situation sich nächstes Jahr noch einmal weiter verschärfen werde, immerhin wurden vor drei Jahren die ersten sechs Grundschulen zum Gemeinsamen Lernen verpflichtet, im Folgejahr erneut drei, und kommendes Schuljahr gehen drei weitere Grundschulen nun auch an den Start – alle diese Kinder mit Behinderungen werden dann auf Plätze im GL an weiterführenden Schulen wollen, da die Förderschulen von Eltern von Kindern mit Inklusionserfahrungen immer weniger nachgefragt werden.

Wir wünschen uns  - aufbauend auf dem Änderungsantrag der Koalition, der die Gymnasien auffordert, ihre Bemühungen um Inklusion dazustellen und etwaige Hinderungsgründe offen zu legen - einen runden Tisch mit den Vertretern der Gymnasien, an dem die noch bestehenden Hürden offen ausgesprochen werden können und gemeinsam Wege entwickelt werden, wie Inklusion zukünftig dann auch an Bonner Gymnasien gelingen kann.

Ingrid Gerber,

Projektleitung Inklusion, Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen Bonn e.V.