Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen schafft neue Angebote für Eltern, die eine inklusive Beschulung ihrer behinderten Kinder wünschen: Ende August veranstaltete der Verein zum Beispiel eine Infoveranstaltung für Eltern, deren Kinder bald eingeschult werden müssen.


GLGL-Projektleiterin Ingrid Gerber äußerte sich glücklich: „Dass unser Verband solche Veranstaltungen durchführen kann, war immer mein Ziel.“ Etwa 40 Interessierte waren in den Gemeindesaal der Evangelischen Freikirchlichen Gemeinde in Plittersdorf gekommen, um sich über den Übergang behinderter Kinder vom Kindergarten zur Schule zu informieren. Wesentliches Ziel der GLGL-Experten auf dem Podium war es, den betroffenen Eltern deutlich zu machen, dass nun das erste Schuljahr mit einem glasklaren Rechtsanspruch auf gemeinsames Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern beginnt. Neben Gerber informierten Sonderpädagoge Stefan Rau und GLGL-Fachbereichsleiterin Loretta Bading-Weiss über die Möglichkeiten einer inklusiven Beschulung für behinderte Kinder.

Als Gast konnte zudem Christian Eberhard, Leiter der Gottfried-Kinkel-Grundschule in Oberkassel begrüßt werden. Er berichtete aus der Praxis einer Schule, die sich in den vergangenen Jahren aufgemacht hat, die Inklusion behinderter Kinder zu ermöglichen. Von den gemachten Erfahrungen ist er begeistert. Nicht nur für die behinderten Kinder wirke sich die gemeinsame Beschulung positiv aus, auch die nicht behinderten Kinder profitierten und das Schulklima verbesserte sich noch mehr.


Stefan Rau gab in seinem Vortrag einen Einblick in die leider noch recht bürokratischen Verfahren, die für eine gemeinsame Beschulung zu durchlaufen sind. Wichtig sei es insbesondere darauf zu achten, dass die Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs und die Festlegung des „Bildungsganges“ je eigenständige Vorgänge sind, mit jeweils unterschiedlichen Implikationen für die zur Verfügung stehenden Fördermittel und die Möglichkeiten einen Regelschulabschluss zu erreichen. Prinzipiell gilt nun für behinderte Kinder, die gemeinsam beschult werden sollen, dass dieser Rechtsanspruch nur an einer wohnortnahen Schule eingelöst werden muss. In jedem Fall sei es sinnvoll, den bürokratischen Prozess gut zu planen und sich auch bei der Erstellung des Gutachtens über den sonderpädagogischen Förderbedarf von den begutachtenden Lehrern beteiligen zu lassen. Letzteres ist inzwischen ebenfalls Rechtsanspruch der betroffenen Eltern. Rau machte auch Mut, von einer etwaigen Zurückstellung eines einzuschulenden Kindes abzusehen: Umso mehr Zeit bleibe in der weiterführenden Schule, einen regulären Schulabschluss im Laufe der Pflichtschulzeit zu erzielen.

Loretta Bading-Weiss erklärte das Antragsverfahren für die Bewilligung von Schulbegleitern. Je nach Bedarf können einfache nicht fachliche, pädagogische oder sogar medizinisch ausgebildete Schulbegleiter bewilligt werden. Einen Antrag auf Schulbegleitung rechtzeitig zu stellen ist sinnvoll, auch um geeignete Personen für diese Aufgabe zu finden. Leider sperren sich die Kommunen bzw. Kostenträger noch gegen eine Übernahme der Begleitung bei der Nachmittagsbetreuung im Offenen Ganztag. Ingrid Gerber forderte angesichts neuer, positiver Urteile zu diesem Thema die Eltern auf, ihr Recht auch in dieser Sache einzufordern. Der Verein GLGL unterstützt Eltern auch in dieser Angelegenheit, wo er kann.

Die anwesenden Eltern und Fachkräfte aus Kindertagesstätten und Schulen konnten anlässlich der Veranstaltung einen guten Eindruck von den Möglichkeiten zur inklusiven Beschulung erhalten. Da der Rechtsanspruch auf gemeinsames Lernen erst jüngst in Kraft trat und die entsprechenden Strukturen nicht rechtzeitig aufgebaut wurden, mag eine gemeinsame Beschulung für Eltern wie eine Herausforderung wirken. Die Vertreter des Vereins machten den Familien Mut, als Pioniere ihr Recht auf gemeinsame Beschulung wahrzunehmen. Gerne bietet GLGL im Rahmen seiner Einzelfallberatung persönliche Unterstützung. GLGL ist aus der Selbsthilfe betroffener Eltern entstanden und professionalisiert sein Angebot gegenwärtig um noch mehr Familien beim Wunsch einer gemeinsamen Beschulung zur Seite stehen zu können. Der Verein freut sich auf Anrufe während der Sprechzeiten und E-Mails.

Florian Beger

 

Hier noch ein O-Ton einer Mutter im Nachgang der Veranstaltung, zu der sie aus Köln angereist war:

"herzlichen Dank für die Informationen und das sehr nette Gespräch gestern Abend.

Es hat bestätigt, was ich am Donnerstag schon wahrgenommen habe: neben Expertise findet man bei Ihnen viel Herzblut und Engagement. In Zeiten großer Unsicherheit wie zum Beispiel jetzt wenn die Einschulung näher rückt, ist es sehr beruhigend zu wissen, dass es Sie gibt und man mit Ihnen einen tollen Ansprechpartner hat, der frei von Eigeninteressen ist. Vielen Dank dafür!"